Samstag, 4. Dezember 2010

The Good, the Bad, the Meh - Gran Turismo 5

"Man am meisten von ihm schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt."
Wilhelm Busch


Entwickler: Polyphony Digital
Publisher: Sony
USK-Version ungekürzt: Ja


Vorwort
Eine Metacritic-Wertung von 85, da braucht doch eigentlich keiner mehr ein weiteres Review von GT 5. Das Spiel muss gut sein. Ist es auch, aber es zeigt auch, was falsch läuft in der Spiele-Entwicklung und warum die Zukunft für altgediente Zocker alles andere als rosig aussieht.

Ich bin jetzt 33 und habe graue Haare. Das ist nicht weiter tragisch, wohl aber, dass ich so langsam in den "Früher war alles besser-Modus" hinein wachse. Eine dusselige und rückwärtsgewandte Stammtischaussage, die mir eigentlich gar nicht zusagt. Und doch ertappe ich mich in letzter Zeit immer öfter beim wehmütigen Gedenken an die 90er, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Menschheit auf einem guten Weg ist. Liegt vermutlich nur am Raumschiff Enterprise und Captain Picard, aber meiner unmaßgeblichen Meinung nach, ist die Welt in den letzten zehn Jahren eher einige Schritte zurück als vorwärts gegangen. Ist ein etwas happiger Einstieg, aber nach schätzungsweise 60 Stunden Gran Turismo 5 passt es einfach erschreckend gut. Gran Turismo 5 ist kein schlechtes Spiel, aber es zeigt, dass die Branche mehr als nur ein Problem hat, das man aber mit einer guten Marketing- und PR-Abteilung überspielen kann.

Ich kann (noch) nicht jeden Aspekt des Spiels endgültig beurteilen, dazu ist das Ding einfach zu umfangreich. Ich hab gerade mal drei Stunden online gespielt und bei weitem nicht alle Rennen gefahren. Ich musst das Spiel sogar von vorne beginnen, weil mein Spielstand... whatever. Los geht's.



The Good

Die nackten Zahlen
Über 1.000 Autos, über 20 Strecken in 70 Varianten, Tuning, Lizenzen, Spezial-Events, ein Strecken-Editor...auf dem Papier macht sich GT 5 sehr gut und die Macher hatten keinerlei Probleme damit Dinge zu finden, die man auf die Packungsrückseite drucken konnte.

Das Fahrgefühl
Ich bin glücklicher Besitzer eines Logitech Driving Force Pro in Kombination mit einem Rennsport Wheelstand von Fanatec. Mit dieser Peripherie wird Gran Turismo 5 - wie schon die Vorgänger - zu einem einmaligen Erlebnis. Wer mal mit einem potenten Wagen über die Nordschleife gebrettert ist und jede Bodenwelle gespürt hat, der weiß wovon ich rede. In Gran Turismo 4 gab's bessere Windgeräusche, aber das Fahrgefühl ist dynamischer denn je. Die Unterteilung zwischen Standard und Professional ist futsch, es gibt nur noch EIN Fahrmodell und zahlreiche Fahrhilfen. Das Ergebnis ist grandios, allerdings gibt es einige Fahrzeuge, die sich unfassbar beschissen fahren. Das mag dem realen Vorbild entsprechen, wirkt dennoch nicht immer ganz nachvollziehbar. Alles in allem gibt's hier dennoch kaum Grund sich zu beschweren.

Das Streckendesign
Da kann man sagen was man will, Yamauchi und seine Jungs wissen welche Rennstrecken der Welt richtig Spaß machen und sie können auch selbst hervorragend Kurse designen. Der größte Schwachpunkt von Forza III (Bis auf die Nordschleife und die Serpentinen-Strecke war da viel zu viel einschläfernder Mist dabei) ist der größte Pluspunkt von Gran Turismo 5. Die wenigen neuen Strecken sorgen schon nach kurzer Eingewöhnung für Herzrasen in Mutkurven, die klassischen Strecken wissen immer noch zu begeistern. Es zeigt, welche Meisterleistung die Jungs schon damals bei Gran Turismo 1 vollbracht haben, denn schließlich wurden die Kurse schon 1997 erstmals entworfen.






The Meh

Das Wetter

Yay! Es gibt Wetter in Gran Turismo! Endlich hat Yamauchi ein Versprechen gehalten. Oder auch nicht, denn eigentlich hatte der gute Mann Wetter für ALLE Strecken versprochen, am Ende sind es nur sehr wenige ausgewählte Kurse. Sämtliche alten Strecken sind schon mal raus, die Stadtkurse auch. Bleiben High Speed Ring, Suzuka, Eiger Nordwand, Monza, LeMans und der Nürburgring. Außerdem die Special Stages, die allerdings bei Trockenheit so dermaßen peinlich aussehen, dass es weh tut. Dennoch: Ein Regenrennen bei Nacht sieht klasse aus und ich kenn sogar Leute, die finden das Regentropfen.gif an der Seitenscheibe gut. :)

Das Balancing
Ein Problem, mit dem die Reihe schon seit Beginn zu kämpfen hat. Einige Events kann man mit verbunden Augen gewinnen, andere erweisen sich als bockeschwer. Alles in allem erträglich, weil man den Großteil der Rennen schlicht mit der Verbesserung des Equipments vereinfachen kann, dann hat das aber alles mit "Rennsport" nicht mehr viel zu tun.

Der B-Spec-Modus
In Gran Turismo 4 hat den eigentlich schon keiner gebraucht und es hätte ihn wohl auch niemand in einem GT 5 vermisst, er ist trotzdem dabei. Leider kann man sich nicht mehr mit seinem Fahrer abwechseln, sondern ist komplett zum Zuschauen verdammt, auch die Zeit lässt sich nicht mehr vorspulen. Das Ergebnis ist leidlich unterhaltsam, weil der angeheuerte Fahrer zu Beginn die fahrerischen Fähigkeiten einer Amöbe aufweist und herrlich bescheuert durch jede Kurve rutscht, aber meine Lebenszeit ist zu kostbar, um mir den Quatsch wirklich länger anzutun.

Der Streckeneditor
Einem geschenkten Gaul kuckt man nich ins Maul. Scho recht, aber ich weiß wirklich nicht, wieso die Jungs mit dem Ding ihre Zeit vertrödelt haben. Letzlich kreiert man herzlich wenig selbst, sondern sucht sich eher ein zufallsgeneriertes Stück Rundkurs aus, dass man anschließend verfeinern kann. Das funktioniert schnell und gut, bringt aber als Ergebnis profillose Allerweltsstrecken hervor, die keine Sau braucht. Wie man die Entwicklerzeit wohl besser hätte anwenden können? Hmm... Cockpits für alle Wagen vielleicht? Neeeeeee, lieber ein dusseliges Extra, das keiner braucht. Schön übrigens, dass auch dort die Wetterverhältnisse und Tageszeiten nur sehr eingeschränkt verändert werden dürfen. Man will ja konsequent bleiben...






The Bad
Die Installation
Ich habe das Spiel dreimal in meinem Leben installiert. Einmal auf der Firmenkonsole für den Test der play³, einmal auf meiner privaten Fat Lady und einmal auf der neuen Slim. Ich wünsche diese Erfahrung nicht mal meinem schlimmsten Feind, denn es gehört zu den Dingen, die ich an der heutigen Konsolensituation absolut nicht packe. 40 Minuten Installation tun immer weh und wenn das installierte Spiel dann trotzdem noch jeden Furz nachlädt und insgesamt so schnell lädt wie Gran Turismo 4, dann geht mir das auf den Sack. Punkt. Ein großer Spaß ist übrigens der Verzicht auf die Installation. Dann lädt jeder Klick gefühlte drei Stunden und jedes Rennen locker zwei Minuten. Wieso die Installation nicht Pflicht ist, weiß nur Yamauchis Mudder.

Premium vs. Standard
Ich habe es nicht glauben wollen und konnte es selbst dann nicht glauben, als ich es live erlebt habe. Knapp 200 Premium-Fahrzeuge haben Cockpits, rund 800 Standard-Wagen nicht. Es ist mir furzegal wie viel Arbeit das ist, hier wurden eindeutig falsche Prioritäten gesetzt. Wieso 1.000 Autos, wenn man 800 davon dann nur von der PS2 hochskaliert? Geht einfach nicht. Ginge schon für sich genommen nicht, aber wenn ein Forza III 400 Autos mit Cockpits bietet und dabei auf unzählige Doppelungen verzichtet, dann zeigt das nur, wie arschfaul die Spacken bei Polyphony sind. Leck mich am Arsch, ist das lächerlich. Fehlende Cockpits nicht genug, die Standard-Wagen dürfen optisch nicht getunt werden, nicht mal neue Felgen gibt's. Und der Foto-Reise-Modus ist ebenfalls nur Premium-Wagen vorbehalten. Wie die mit dieser Nummer durchkommen, ist mir schleierhaft. Fett 1.000 Autos hinten auf die Packung drucken und dann so ne Nummer abziehen, ist einfach hochnotpeinlich und eigentlich schon der K.O. für das Spiel. Selbst wenn es der einzige Kritikpunkt wäre, könnte ich dem Ding schon keine 9 mehr geben. Da können die Premium-Modelle noch so funkeln und vor Details strotzen, es ist ein Schlag in die Fresse. Prologue hatte knapp 100 Autos, alle mit Cockpit. Und in 3 Jahren haben die es echt nicht geschafft mehr als 100 weitere Karren zu bauen? Lächerlich. Sagen wir es gemeinsam: LÄCH-ER-LICH!

Aber damit immer nicht genug, denn unter den 200 Premium-Wagen finden sich auch so illustre Modelle wie der VW Schwimmwagen oder furzkleine Suzukis von der Eleganz eines Picasso-Gemäldes in 3D. Aber ein Lamborghini Countach muss als Standard-Modell ausreichen, klar. Erneut: Völlig falsche Prioritäten und schon auf einem Level der Lächerlichkeit, dass man sich schämen muss.

Der Rallye-Modus
Ist vielleicht ein Kritikpunkt, der nur für Leute gilt, die einmal in ihrem Leben DIRT 2 oder Rallisport Challenge 2 gespielt haben. Denn... wie formuliert man das jetzt mal? Also, im Vergleich zu diesen beiden Kleinoden der Rennspielgeschichte, ist der Rallye-Modus von GT 5 absolute Grütze. Absperrbänder aus Beton, Bodentexturenm die auf einer PS2 beachtlich gewesen wären, billig aussehende (aber immerhin schön voluminöse) Staubwolken und ein Fahrgefühl aus der Hölle. Ernsthaft, was soll das? Von sich aus stellt das Spiel in der Loeb-Challenge immer und immer wieder die Traktionskontrolle ein und die Bildschirmtexte wollen mir weiß machen, dass ich nach Möglichkeit Drifts vermeiden soll. Ahja. Schon klar. Ich hab's mit dem Pad probiert und mit dem Lenkrad. Immer und immer wieder bin ich die zweite Prüfung (Eiger Nordwand) gefahren und immer und immer wieder fuhr sich die Karre als wäre ne Achse gebrochen. Hauptproblem bei dieser Nummer aber ist, dass man die Banden nicht berühren darf. Ich hab's jetzt oft genug probiert, um es für pure Zeitverschwendung zu deklarieren, denn es macht vor allem eines nicht: Spaß.

Die Fahrzeug-Auswahl
Forza III hatte 400 Autos und locker 70% davon waren wirklich begehrenswert. Gran Turismo 5 besitzt 200 Premium-Fahrzeuge, von denen ich mir 30 gern in die Garage stellen würde. Es gibt noch eine Menge Standard-Fahrzeuge auf meiner Einkaufsliste, aber selbst dann ist die Klasse des Fuhrparks meilenweit von der Konkurrenz entfernt. In Forza III war der Blick auf einen Hersteller stets ein Quell kindlicher Freude (Ui, es gibt den BMW M1! Ein 993er-Porsche, den will ich! Der Testarossa!), in GT 5 kann ich gar nich zählen, wie oft ich enttäuscht wieder aus dem Hersteller-Menü abgehauen bin. Bis auf Lamborghini gibt's kaum wirklich richtig neue Sachen, dafür aber zahlreiche Kackschüsseln, die ich nicht mal dann kaufen würde, wenn's die letzten Fahrzeuge auf dem Planeten wären. Wie so oft gilt auch hier: Völlig falsche Prioritäten und ein Indiz für die Faulheit der Entwickler. Besonders für Spieler der Vorgänger tragisch: Es werden kackfrech Autos, die ich in meinem Leben schon zwei Mal hart erspielt habe, wieder für astronomische Summen angeboten. Na, vielen Dank auch.

Die Menüs
Die Navigation war schon immer etwas eigenwillig in Gran Turismo, aber wie man nach fünf Jahren mit so einem krüppeligen Menü ankommen kann, ist mir schleierhhaft. Alles lädt eine halbe Ewigkeit und jede Ladezeit muss brav abgewartet werden, ehe man etwas anklicken darf. Und dass mich das bekackte Spiel satte DREI MAL fragt, ob ich mich nicht vielleicht doch ins PSN einloggen möchte, wenn ich es beim Start des Spiels nicht bin, fällt unter den Bereich Folter.

Die KI
Himmel hilf. Die Jungs fahren - wie üblich - ein Perlenketten-Formation durch die Gegend und nehmen den Spieler eher selten wahr. In Prüfungen nerven die Bremsklötze, die auch gerne noch mal kurz vor mir in die Kurve einscheren und mich in den Dreck schubsen, in Rennen kennen die Schweine kein Pardon und schieben mich auch gerne mal 300 Meter vor sich her, bis ich auch wirklich komplett aus dem Rennen genommen bin. Richtig ärgerlich wird's bei Prüfungen, in denen ich sofort bestraft werde, wenn ich auch nur jemanden touchiere, die KI-Fahrer dürfen dagegen alles machen was sie wollen. Genau wie Turn 10 mogelt Polyphony bei der Umsetzung der Physik. Donnere ich in einen Gegner rein, bin es immer ich, der sich dreht. Die KI-Fahrer fangen so gut wie alles ab und lassen sich durch fast nix aus dem Weg räumen. Gleichzeitig bin ich genauso der gearschte, wenn mir einer in die Karre donnert.

Das Recycling
Kommen wir zum ultimativen Grund dafür, dass Gran Turismo 5 und ich keine dicken Kumpel mehr werden. Ich hab nichts gegen den Einsatz altgedienter Elemente, vor allem nicht, wenn sie von so hoher Qualität sind wie die Strecken von Gran Turismo. Aber was Polyphony hier einfach zum x-ten Mal präsentiert und sich dabei nicht einmal schämt, ist beeindruckend. Es gibt insgesamt sechs neue Strecken, der gesamte Rest in in dieser oder ähnlicher Form schon aus einem Vorgänger bekannt. Noch dazu wurden alte Strecken wie Trial Mountain oder Deep Forest optisch eher lieblos ins HD-Zeitalter eingeführt und wirken fast als wären sie für ein HD-Makeover vorgesehen, aber wohl nicht für einen neuen Teil der Reihe, der satte fünf Jahre lang in der Mache war. Und wenn man schon hingeht und große Teile einfach etwas aufmotzt, wieso fehlen dann so viele Klassiker? Wo ist El Capitan? Wo ist New York? Wo Seattle? What the fuck? Bereitet da jemand DLC vor? Viel Spaß dabei, aber da seht ihr von mir keinen Cent.

Recycling beschränkt sich aber nicht nur auf Fahrzeuge und Strecken, auch Events hat man so schon unzählige Male absolviert. Die Lizenztests sind optional und es macht ja auch immer wieder Spaß ein paar Zehntel herauszuholen, aber mir ernsthaft zum x-ten Mal die Kurve in Deep Forest als Prüfung zu präsentieren, ist einfach peinlich und regelrecht unverschämt.

Die in Reviews viel gelobten Special-Events sind übrigens auch nix neues, gab's in GT 4 auch schon, wenn auch mit erheblich weniger Abwechslung.

Die Fahrzeug-Modifikationen
Ich wusste es beim Spielen von Forza III, dass GT 5 in diesem Bereich schwerlich die Komplexität und Klasse der Konkurrenz erreichen würde. Aber DAS? Die Fahrzeug-Modifikationen sind ähnlich beschränkt wie in Gran Turismo 4 und schon damals war die Nummer läppisch. Standard-Wagen dürfen keine neuen Felgen bekommen, ich kann aber einmal mehr einen kackhässlichen Spoiler auf viele Karren schrauben. Für Premium-Fahrzeuge gibt's da schon mehr, teilweise sogar Rennmodifikationen, waren mir bislang aber zu teuer und man bekommt natürlich vorher nicht gesagt, ob man die 175.000 Credits nur für ein paar Aufkleber und Farbklekser zahlt oder auch die Leistung gesteigert wird.

Die Krönung ist aber das Lackieren der Fahrzeuge. Das geht, allerdings erhält man neue Farben ausschließlich durch den Erwerb eines Fahrzeugs (!) und abgeschlossene Rennserien. Ergo: Wer als erstes einen senfgelben Toyota kauft, darf ihn - oh, Freude - anschließend senfgelb lackieren. Oder er kauft sich einen anderen Wagen in der gewünschten Farbe, kann diese dann für den Toyota verwenden, dann ist sie futsch. Jetzt mal ehrlich, sowas kann man nicht allen ernstes absegnen und sich nicht wenigsten EINmal vorm Spiegel fragen, ob man eigentlich sein Gehirn am Morgen auch eingepackt hatte. Da fehlen mir echt schon die Worte.

Die Levelstruktur
Anfangs war ich nicht sicher, was ich von dem Levelsystem halten soll, jetzt weiß ich es. Es ist so nötig wie ne zweite Nase und passt hinten und vorne nicht. Es ist ja ganz goldig, dass ich nicht von Beginn an jeden Wagen fahren darf, aber wieso geht's von Level 1 bis 15 in Windeseile und Level 16 dauert dann gefühlte Wochen? Schlimmer wiegt aber die Tatsache, dass es im Prinzip zu wenige Events für die Fahrzeugauswahl gibt. Mein Fuhrpark beinhaltet jetzt 30 Autos, aber ich kann kaum welche davon in neuen Rennen einsetzen. Wie üblich wird das Angebot sehr schnell schmaler und man kauft für einzelne Rennen Autos im Wert von 150.000 Credits, bekommt für den ersten Platz 3 Euro fuffzig und kann den Wagen anschließend nie wieder im Solo-Modus verwenden. Letztendlich verlangt das Spiel den frühen Kauf eines extrem starken Autos, mit dem man höherklassige Rennen gewinnt, was den Nutzen der Lieblingskarren leider nicht erhöht. Und wieso man bei einem Fuhrpark von 1.000 Autos hingeht und zahlreiche Cups kreiert, die ausschließlich mit einem bestimmten Fahrzeug zu fahren sind, bleibt ein Rätsel.

Die kleinen Macken
Ich hasse langsame Menüs, Gran Turismo 5 stellt neue Rekorde auf. Aber es gibt noch mehr Nickeligkeiten, die mich in den Wahnsinn treiben und Yamauchi mit gelbem Schnee einseifen lassen möchten.

- Gewonnene Autos müssen "abgeholt" werden. Das ist umständlich, dauert ewig und wird vom Spiel gefeiert als hätte man das Mittel gegen Krebs entdeckt.

- Gran Turismo 4 hatte zehn bis zwölf Felgen-Hersteller, GT 5 hat 30 Felgen. Und selbst die sind nur für Premium-Fahrzeuge. Im Vergleich zu Forza III ist das nicht mal mehr lächerlich, es ist eine eigene Liga der Schlechtigkeit. Es unterbietet sogar den fünf Jahre alten Vorgänger, das muss man auch erst mal schaffen.

- Derzeit gibt's keine Credits für Online-Rennen. Das wäre aber wünschenswert, denn im Gegensatz zu Gran Turismo 4 habe ich noch keine Events entdeckt, die beim Gewinn jedes Mal ein neues Auto ausspucken, um die ganzen Blechbüchsen zu bezahlen.

- Die Schatten. Diese Schatten. Die sind eines Gran Turismo einfach nicht würdig. Da startet man das Spiel mit einem lustigen Lizenztest, sieht seinen kleinen Reißbrenner und auf dem Boden einen Schatten so kantig, dass selbst Lego-Figuren sich angewidert zeigen. Praktischerweise werden diese Schatten im Foto-Modus weichgezeichnet, deswegen sehen die Screens auch alle viel leckerer aus als das eigentliche Spiel.

- Der Gebrauchthändler ist ansich ja eine schöne Idee, wie damals in GT 2. Aber muss das wirklich sein, dass gerade mal 30 Karren verfügbar sind und pro Spieltag vier durch neue ersetzt werden? Wer einen S2000 oder MX-5 sucht, bekommt den wirklich fast immer, aber wehe man wünscht sich ein bestimmtes Modell, von dem es nicht drei Trilliarden Varianten gibt. Dann muss man so lange irgendwelche Rennen fahren, bis eines Tages mal der Wagen verfügbar ist. Dann sollte man allerdings auch noch genug Kohle für die Karre haben, denn ein paar Spieltage später ist der Wagen weg und kommt so schnell nicht wieder.

- Ich habe acht Trilliarden Stunden in Prologue investiert und was habe ich davon? Genau. Nix. Meine PSP-Garage (so ich denn eine habe) darf ich in GT 5 importieren (dann aber nur im Arcade-Modus verwenden. FAIL), Prologue interessiert Polyphony kein Stück. Ich soll also wieder unzählige Runden in den Asphalt brennen, um mir die gleichen Karren zu kaufen, die ich in Prologue schon längst besessen hab. Nicht ganz unverständlich, aber trotzdem ein großes Fuck you an alle Prologue-Spieler.




Maik says:
Mag ja sein, dass GT 5 für jeden Neuling ein Spitzenspiel ist, aber für mich ist es die Enttäuschung des Jahrzehnts. Zudem kann ich der Argumentation einfach nichts abgewinnen. Spiele wären bei dieser Mentalität in den letzten 10 Jahren nie so weit gekommen. Yamauchi und sein Team haben offenbar in erster Linie Zeit verplempert, nie einen Konkurrenztitel gespielt und sind so arrogant wie faul. Man merkt dem Spiel an jeder Ecke an, dass etwas nicht fertig geworden ist und viele der Kritikpunkte sind für jemanden, der bislang alle Teile der Reihe gespielt hat, gravierend. Tolles Fahrgefühl hin oder her, im Prinzip ist Gran Turismo 5 näher an einem HD-Makeover von GT 3 als an einem echten Next-Gen-GT. Sämtliche alten Kurse sehen auch so aus, der Großteil der Fahrzeuge ist ebenfalls nur hochskaliert und dezent aufgehübscht, was bleibt ist viel heiße Luft, unzählige Detailmacken und die Erkenntnis, dass Polyphony weit davon entfernt ist noch irgendwas mit dem Wort Referenz zu tun zu haben. Turn 10 hat mit Forza III ein hervorragendes Spiel abgeliefert, das lediglich im Bereich Fahrdynamik und Streckendesign den Kürzeren zog. Mit Teil 4 können die Jungs Gran Turismo endgültig überholen und werden dennoch nicht halb so viele Spiele verkaufen. Die Welt ist ungerecht.

6/10

Kommentare:

  1. jo bin ich mit einverstanden.
    aber wie es ja immer so ist, wir zocken es weiter wie der die dollen.
    das mit der KI unterschreib ich dir 3 mal, bin im mom an der S-lizenz und war schon kurz davor meine fatlady aus m fenster zu donnern.

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  2. Er ist da. Endlich. Der Test auf den ich seit einem Monat warte. Der echte, der richtige, der einzige ohne Tomaten auf den Augen und Fanboy-Pilz an den tippsenden Fingern.

    Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben, aber dann kam er ganz unverhofft doch noch. Danke Maik! :-)

    Auch wenn es einer gewissen Chuzpe erfordert, hier die superben Verkaufszahlen und unkritischen Tests (mit Recht!) anzuprangern, wenn man vor nem guten Monat selbst noch den Award neben seinen Meinungskasten und Testartikel gedruckt hat. ;-)


    Cheers,

    CPS

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  3. Alter Schwede, was habe ich bei diesem Artikel gelacht. Eigentlich ist es ja traurig, aber es ging einfach nicht anders, als bei Phrasen, wie "Wieso die Installation nicht Pflicht ist, weiß nur Yamauchis Mudder" laut loszuprusten.
    Aber es stimmt! Alles! Ich hab mir das Spiel gekauft, aber nur weil dieses merkwürdige Gefühl von mi Besitz ergriffen hat, ich würde etwas verpassen. Jetzt habe ich allerdings festgestellt, WAS ich alles verpasst habe. Was genau, kann man auch aus Maiks Artikel herauslesen.

    Wieder mal sehr geiler Blog!

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