Donnerstag, 13. August 2009

Scheiß, iPhone!

iPhone gefährdet Menschenleben.

Ich laufe entspannt über die Straße, um Zigaretten zu holen. Einer der wenigen Gründe, für die es sich lohnt, auch mal aus dem Haus zu gehen. Auf dem Weg zum Automaten sehe ich einen älteren Herrn, den es gerade ordentlich zerlegt. Er schwitzt, lehnt sich benommen an eine Hauswand und gleitet keuchend zu Boden.

Ich eile dem Ärmsten zu Hilfe, zwei weitere Passanten tun es mir gleich. Ich bemerke, dass keiner der Beiden ähnlich muskulös oder gutaussehend ist wie ich. Wenn später das Fernsehen kommt, werde ich der Liebling der Kamera sein.
Ich reagiere dennoch blitzschnell, schließlich steht ein Menschenleben auf dem Spiel.
Ich laufe schnell zu meinem 20 Meter entfernten Heim. Dort befindet sich mein iPhone und darauf befindet sich wiederum ein Erste Hilfe-Programm mit veranschaulichenden Wiederbelebungsvideos.
Nach zehn Minuten stehe ich wieder vor dem Zusammengeklappten, doch einer der Passanten ist verschwunden. "Dä iss haim gange unn ruf Krangehaus!", gibt mir der andere zu verstehen. Er ist entweder südländischer Herkunft oder behindert.
Ich aktiviere das Erste Hilfe-App. Ein Ladescreen erscheint und danach lande ich wieder im iPhone-Dashboard. Das passiert bei rund 50% aller Apps. Keine Bange: Meistens starten die Programme bereits beim zweiten Versuch anstandslos.
Mir steigt ein unangenehmer Geruch in die Nase. Ist es mein neues iPhone 3G S? Überhitzt es gerade und setzt so giftige Dämpfe frei? Der alte Mann entpuppt sich glücklicherweise als Quelle des Gestanks. Er riecht nach Moorleichen, die mit Kot und Alkohol gefüllt wurden.
Ich starte das App erneut und jetzt funktioniert es! Leider ist alles auf englisch, voller Abkürzungen und medizinischer Fachbegriffe. Während ich die Menüs studiere, rappelt sich der alte Mann ein wenig auf und lallt vor sich hin. Ein Krankenwagen kommt, Sanitäter springen heraus und greifen sich den armen Kerl.
Ich versuche ihnen mit meinem iPhone Hilfestellung zu geben. Eine hübsche Frau eilt herbei und will auch was sehen. Ich tu weiter so, als würde ich nach medizinischen Infos suchen, doch in Wirklichkeit filme ich ihre Glocken.
Langsam ziehe ich den Hass der Leute auf mich. Sie fragen, wie ich denn in so einer Situation mit dem Handy herumspielen könne. Schließlich stünde ein Leben auf dem Spiel. Ich antworte, dass ich Karate kann und jeden töten werde, der mir zu nahe kommt. Die schöne Frau scheint beeindruckt zu sein. Ich biete ihr an, meine stahlharten Arschbacken zu kneifen, doch sie schämt sich.
Die Sanitäter stellen nun fest, dass der Mann einfach nur stark alkoholisiert ist. Da niemand stirbt, ist die Sache nicht weiter von Interesse. Außerdem ist die hübche Frau weg. Also gehe ich nach Hause und fühle mich betroffen. Was, wenn wirklich mal jemand in Lebensgefahr ist und mein iPhone wieder versagt? Muss dann meine Versicherung zahlen oder die von Apple?


Kommentare:

  1. Olá, visitei seu blog.
    Gostei muito!
    Grande abraço!
    http://academiacameriniag.blogspot.com/

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  2. Während des Lesens musste ich leicht schmunzeln.
    Aber nur leicht.

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